Mentale Stärke nach Krebstherapie

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Roesti
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Mentale Stärke nach Krebstherapie

Beitragvon Roesti » 20.06.2012 10:26

Hallo Leidensgenossen/-innen,

nachdem ich nun die ganze Therapie hinter mir habe und wieder voll im normalen Leben angekommen bin, wollte ich mal einen Punkt ansprechen, der mir bei mir aufgefallen ist.

Egal in welchem Bereich des Lebens, aufgeben gibt es seither nicht mehr. Jede Aufgabe, die ich angehe, muss durchgezogen werden - auf Teufel komm raus. Geht es Euch auch so? Der Wille ist unglaublich.

Vor Kurzem kämpfte ich im Garten mit einem Wurzelballen (klingt jetzt blöd, war aber so!) - nach einer halben Stunde schweißtreibendem Kampf überlegte ich, ob ich es bleiben lasse bis mein Mann aus der Kur zurück ist - nein! das Ding kommt jetzt raus - weitergebuddelt, geschnippelt und gewuchtet. Nach einer Stunde war das Ding raus (daumendicke Wurzelstränge in alle Richtungen) - ich kaputt aber zufrieden.

Beim Tennis spiele ich inzwischen wieder in der Verbandsrunde mit und habe zwei Gegnerinnen förmlich niedergerungen. Ich konnte eigentlich nach dem ersten Satz schon nicht mehr laufen, aber der Wille war so mächtig, dass ich die Matches gewonnen habe. Eine der Gegnerinnen war 28 Lenze jünger als ich und nach dem Spiel völlig frustriert, weil sie eigentlich besser war... Es tat meiner geschundenen Seele unglaublich gut, von 20jährigen Mädels Respekt ausgesprochen zu bekommen ("äh, voll krass!"). Letztes Jahr hätte ich diese Spiele alle verloren, da bin ich mir sicher.

Diese mentale Veränderung sowie die geänderte Sichtweise auf verschiedene Bereiche des Lebens - mehr Gelassenheit und Ruhe und die neue Gewichtung einzelner Probleme/scheinbarer Probleme betrachte ich als positive Folge meiner Krankheit. Ich denke, das Durchlebte hatte nicht nur Schlechtes...

So einige körperliche Beschwerden sind noch vorhanden, sollten sich aber auch noch verflüchtigen und die anstehende 1.NU macht einen schon auch nervös, aber ich gehe fest davon aus, dass ich Mr. Hodgkin "Good-bye" gesagt habe. Dies hat mir auch mein Onkologe mit auf den Weg gegeben, als ich mich für mein zurückgegebenes Leben bedankte.

Würde mich interessieren, ob ich da etwas extrem bin, oder ob es Euch nach überstandenem Kampf gegen den Krebs auch so geht.

Liebe Grüße
Rösti
Ich kann, weil ich will, was ich muss. (Immanuel Kant)
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MH Stadium 2A, RF hohe BSG, Mediastinaltumor 9,5x5,5x5,0, ED 08/11
08/11-12/11 2 x BEACOPP esk. und 2 x ABVD
01/12 Bestrahlung 15 x 2 Gy
16.03.12: CT -> Strahlenpneumonitis!
13.04.12: Beginn von Leben 2.0 - vermutlich geheilt
22.07.14: alle NUs bislang perfekt! Rest schrumpft weiter!
22.12.16: tutti paletti - alles so wie's sein soll - Kraft auch wieder zurück! NU-Intervall nun 9 Monate.
06.06.18: alles bestens - Intervall nun 1 Jahr!

takano-san@gmx.de
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Beitragvon takano-san@gmx.de » 20.06.2012 10:55

Hallo Roesti,

das würde mir keine Sorgen bereiten. Du musst dir halt derzeit beweisen das Du wieder fit bist. Ich halte das, kombiniert mit Deiner inneren Ruhe, für einen sehr guten Fortschritt. Ich turn auch den ganzen Tag durch die Gegend.

Allerdings gehe ich auch davon aus, dass deine Kraftausbrüche:-) automatisch wieder nachlassen. Das ist jetzt kurz nach der Genesung so. Die mentale Ruhe wird dir wohl bleiben.

Du fühlst Dich einfach wieder wohl in Deinem Körper und versuchst das pure Leben zu geniessen.

Gib Gas.

takano
READY TO ROCK!
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15.12.2011 MH, 2a, 1 RF;
05.01. + 26.01. BEACOPP eskl.;
15.02. + 09.03. + 03.04. + 24.04. ABVD;
11.05. CT;
04.06. PET/CT - negativ
04.07. - 17.07. Bestrahlung 20 Gy
26.07. - 16.08. AHB Freiburg
08.10.2012 1. NU; 15.01.2013 2. NU, 09.04. 3. NU, 02.07. 4. NU , 15.10. 5 NU,

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Mariii
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Beitragvon Mariii » 20.06.2012 13:12

liebe rösti,

ich habe zwar nicht diesen schaffenszwang. aber die gelassenheit schon eher, obwohl bei mir ja noch nicht mal feststeht, dass alles schick ist, aber ich denke bei all den lapalien und kleinigkeiten immer: "so what, ich hatte krebs, was gibts schlimmeres, nichts!" und so verfahre ich auch bei unglücklen im haushalt, stress mit den kiddies und gejammere von freunden über banales. dat juckt mich alles nicht!

alles besser als kopf in den sand stecken und depris schieben. ich find dich okay, so wie du das durchziehst, drückerle, mari
Morbus Hodgkin IIa (Mischtyp) cervical, mediastinal

2 Zyklen ABVD+ Bestrahlung Studie HD16
6 .2.12 -19.3.12

http://forum.hodgkin-info.de/viewtopic.php?t=5297

5.4.12 Pet leuchtet noch leicht
26.4. -11. 5.12 Bestrahlung 20gy

19. 6. 12 Abschlus CT und MR schick,
28.8 12 1.Nachsorge, PET nichts leuchtet!
11.12.12 2.Nachsorge alles schick!
März 13 3.Nachsorge MRT Hals/Thorax- sauber
Juli 13 4.Nachsorge 2 kleine neue Lymphis
Aug. 13 Lymphis wieder kleiner PUH!
Feb. 14 5.Nachsorge tutti paletti. Alles weg!



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zwergi82
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Beitragvon zwergi82 » 20.06.2012 13:24

Liebe rösti,

deine Beschreibungen sind so nachvollziehbar, ich hab das auch bei meiner Mutter so erlebt.
Ich denke solange für dich das Resultat ist, kaputt aber glücklich ist es gut so.
Wie takano auch schreibt, solange dein inneres Gleichgewicht passt ist das alles super.

Ich denke das sich über, vielleicht lange Zeit das auch wieder relativiert.

Ganz liebe Grüße

Kathrin
Zum Erfolg gibt es keinen Aufzug.... du musst die Treppe benutzen!!!


MH Stadium 2B, Risikofaktor > als drei befallene Areale
gefestigte Erstdiagnose 03.05.2012
befallene Areale: rechts supraclaviculär, oberes Mediastinum, sowie supraaortale Äste. kein Organbefall!!!

subfibrile Temperaturen, und Juckreiz ohne Ende

Behandlung:HD 17
21.05.2012: erster Cocktail BEACOOPP esk. geschafft :-)
11.06.2012: zweiter Cocktail BEACOPP esk. mittendrin :-)
02.07.2012: erster Cocktail ABVD intus
16.07.2012: zweiter Cocktail ABVD
Oktober 2012: PET-Possitiv---> 30 Gy folgen

11.12.12 Restaging: Angst und nochmal Angst
12.12.12: GESUND
19.02.13: 3. NU


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