Selbstheilung/ Erfahrungen und Anregungen

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IpanemaKid
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Selbstheilung/ Erfahrungen und Anregungen

Beitragvon IpanemaKid » 04.05.2019 00:29

Hallo Mitleser,

ich befinde mich gerade im staging bei meinem Rezidiv.
Habe im Internet einige Berichte gelesen, insbesondere dieser hier von Käthe hat es mir angetan:
https://www.google.de/amp/s/www.zentrum ... g,amp.html

Ihre Geschichte kurz zusammengefasst:
Ersttherapie hat nicht angeschlagen, im Gegenteil, sie hatte währenddessen einen aggressiv wachsenden Tumor und hätte sich schnellstens für eine Hochdosis Chemo entscheiden müssen.
Das hat sie verweigert und die eigene Ernährung extrem umgestellt (wir reden hier nicht nur einfach von Cola und Chipsverzicht). Schlussendlich hat sich ihr Körper selbst geheilt.

Ich hatte bislang keinen Hang zur Naturheilkunde und bin jemand der sich ganz normal ernährt.
Ich will mich auch nicht der Schulmedizin inkl. Chemotherapie verweigern, mein Plan ist vielmehr der folgende:
Ich würde mit Chemobeginn 4-6 Wochen warten und das alternative Ernährungskonzept ausprobieren.
In 6 Wochen dann ein CT machen lassen, um zu gucken, ob die Lymphknoten kleiner geworden sind.
Sollte nichts passiert sein oder sind die Dinger gar größer geworden, dann würde ich mit der Chemotherapie beginnen.
Sollte tatsächlich ein Rückgang zu beobachten sein, könnte man „wait and watch“ praktizieren.
Mein Gedankengegang dabei ist, dass ich mir in diesen 4 Wochen nichts vergebe und es zumindest ein Versuch wert sein sollte.

Fragen an Euch:
Macht es einen Unterschied ob ich 4 Wochen mit der Chemo warte oder nicht (bei einem Spätrezidiv gibt es sowieso nur 2 Therapieformen)?
Habt ihr Erfahrungen mit einer Ernährungsumstellung gemacht?
Was haltet ihr von Käthes Geschichte?

Grüße an Alle!
06/2015:Diagnose M.H. 2a
07-09/2015: 2X ABVD, HD16 Studie
09/2015: PET negativ
NU alle in Ordnung
03/2019 Rezidiv Stadium 4 mit Knochenbefall

Elisabeth
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Re: Selbstheilung/ Erfahrungen und Anregungen

Beitragvon Elisabeth » 04.05.2019 08:45

Hallo Ipanemakid,

ich hab auch schon einiges in Sachen Hodgkin hinter mir und so kann ich die Faszination solcher Geschichten gut verstehen. Es gibt wohl gelegentlich auch Spontanheilungen, die Quote ist aber sicher nicht höher wie bei einem Lottogewinn.
Glauben würde ich sowas aber erst, wenn ich die Originalbefunde gesehen hab und mit dem Betroffenen gesprochen habe.
Dieses Zentrum der Gesundheit ist eine hochkommerzielle Seite. Die Neosmart Consulting, die dahinter steht, wer soll das sein? Ich denke nicht, dass die den Bericht dieser Käthe verifiziert haben. Für mich ist das reine Werbung und ich würde auf dieser Basis keine Entscheidung treffen.
Ich geh mal davon aus, dass Dein Rezidiv histologisch gesichert ist. Wenn Du keine Stammzelltransplanation willst, würde ich eher in die Richtung denken, ob man nicht eine Beacopp Chemo machen kann..oder irgendetwas anderes, aber nix auf Basis von so einer Werbeseite.
Ist meine bescheidene Meinung :) .
Elisabeth
1993 MH 2A (7. Schwangerschaftsmonat), Bestrahlung (50gy) und Splenektomie
11/2003 Rezidiv 2A, 3X ABVD, HD Cyclophosphamid, vorsorgliche Stammzellsammlung, 2X BEACOPP, Bestrahlung
12/2004-2005 mehrmals Verdacht auf Frührezidiv nach PET
08/2015 alles ok
http://forum.hodgkin-info.de/viewtopic.php?t=778

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barbatra
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Re: Selbstheilung/ Erfahrungen und Anregungen

Beitragvon barbatra » 04.05.2019 10:48

Hallo,

ich schließe mich Elisabeth an: beim Durchlesen dieser Geschichte bin ich mehr als skeptisch. Sofern es sich überhaupt um die Wahrheit handelt (und nicht um Übertreibung oder Erfindung), liegt bei dir erstens die Ausgangslage ganz anders: dort handelt es sich ja nicht um ein Rezidiv nach einigen Jahren, sondern um ein Frührezidiv, warum auch immer - im Bericht steht auch nicht, welche Therapie angewandt wurde, allein das macht stutzig. Zudem wird auf eine Seite "Chemotherapie als Todesursache" verwiesen - die hab ich mir dann nicht mehr angeschaut ....
Detail: die angebliche Nebenwirkung "das Rückenmark wurde geschädigt, dadurch ist das Hämoglobin gesunken" ist Blödsinn; dass Rückenmark besteht aus Nervenzellen, die mit dem Hämoglobin nix zu tun haben. Hier wurde Rückenmark und Knochenmark verwechselt - das allein sagt schon etwas über die medizinische "Qualität" der Seite aus.

Was dort als Ernährungsempfehlung beschrieben wie (Verzicht auf Zucker, ketogen = im Zustand einer leichten Übersäuerung), klingt sehr nach "den Krebs aushungern" - wird ja auch mehrmals gesagt, dass "Krebszellen gierig nach Zucker sind". Was nicht gesagt wird, ist, dass es mindestens zwei weitere Systeme im Körper gibt, die ebenso dringend Zucker brauchen: nämlich das Herz und noch mehr das Hirn (daher kann man auch von Herz + Hirn kein PET-CT machen! Frische Verletzungen, Entzündungen, Wunden im Körper haben übrigens auch erhöhten "Zucker"bedarf) . Wenn du den Krebs "aushungern" willst, hungerst du auch Herz + Hirn aus - und riskierst hier Spätschäden; ähnlich wie bei Unterernährung.
"Ketogen" hängt damit zusammen: Ketone entstehen (vereinfacht gesagt), wenn der Körper zu wenig Zucker (= Kohlehydrate) zu verwerten hat und daher Fettreserven abbauen muss. Sind das zu viele auf einmal, ist das ebenso schädlich für den Körper - im Extremfall bis zur sogenannten "Ketonazidose", vor der alle Diabetiker gewarnt werden (guugle einmal danach ...). Ketogene Ernährung, sofern man einen gesunden widerstandsfähigen Körper hat, ist also bestenfalls eine Gratwanderung und erfordert sorgfältige Kontrolle.

Und jetzt mein Gegenbeispiel: Ich bin selbst Diabetikerin, seit einigen Jahren medikamentös behandelt, voher mehr als 10 Jahre in der Vorstufe - und habe ebensolange auf jeden Zucker (und auch weißes Mehl) verzichtet, mich ausschließlich von Vollkornprodukten und auch sonst gesund ernährt und auch auf Bewegung (naja, soviel wie neben dem Beruf möglich) geachtet - und trotzdem Krebs bekommen.

Und das Argument "schauen Sie auf Ihr Leben, irgendwo gibt es etwas, das an der Entstehung des Krebs schuld ist", empfinde ich als absoluten Bullshit - eine Killerphrase wie "Krebs kommt von negativen Gedanken". In jedem Leben gibt es belastende Faktoren. Und niemand kann bisher sagen, wodurch Krebs verursacht wird. Aussprüche, die letztlich vermitteln "selbst schuld, wenn du nicht besser gelebt/gedacht/gegessen hast", gehören auf den Misthaufen! (Dass sich nach der Diagnose das Leben ändert, ist eine andere Herausforderung. Wie bei jeder ernsthaften Krankheit - auch mit Diabetes oder nach einem Herzinfarkt lebst du nicht genauso weiter wie vorher).

Ich denke also auch, dass hier jemand tüchtig Geld verdienen will mit den angegebenen Produkten. In irgendeinem (ebenfalls alternativmedizinischen) Buch habe ich einmal den Ausspruch gefunden: "Wenn Sie vonn einer Klippe springen müssen, können Sie schon mit den Armen rudern und hoffen, dass die Luft Sie trägt. Manchmal geschehen ja wirklich Wunder. Auf den Fallschirm sollten Sie dennoch nicht verzichten. Kann ja sein, dass der Rudern die Wirkung des Fallschirms unterstützt". Das trifft es für mich sehr gut!

Zu deiner eigentlichen Frage, ob du einige Wochen mit der Chemo warten kannst: ich denke, das lässt sich nur mit den Ergebnissen des Stagings beantworten.

Alles Gute!
Barbara
Hodgkin Mischtyp Stadium IIIB; Diagnose September 2018
Diabetes II schon seit etlichen Jahren


6x BEACOPP eskaliert, davon:
Zyklus 1 "volle Eskalation"
Zyklus 2-4 Stufe 3
Zyklus 5 Stufe 2
Zyklus 6 Stufe 1

PET-CT Ende November 2018: mCR - große Erleichterung
PET-CT Ende Februar 2019: alles weg!
Reha geplant März/April 2019

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Re: Selbstheilung/ Erfahrungen und Anregungen

Beitragvon IpanemaKid » 04.05.2019 12:38

Hallo ihr beiden,

danke für Eure Ausführungen und Gedankengänge.

Ich habe bei Käthe etwas mehr recherchiert und bin zum einen auf Ihre Facebook Seite, Ihre eigene Homepage und auch noch einen ausführlicheren Beitrag auf der Seite Biokrebs gestossen. Die Links kommen hier:

Biokrebs: https://www.biokrebs.de/patientenberich ... ver-weg#!/

Homepage:
https://help2check.me/

Facebook:
https://m.facebook.com/help2check.me

Insbesondere der Artikel auf Biokrebs, der auch ausführliche Tagebucheinträge beinhaltet, ist interessant.
Nach Sichtung der genannten Seiten bin ich für mich zumindest zu dem Schluss gekommen, dass es sich nicht um einen gefakten Fall handelt.
Ob es hilft oder den Hodgkin beeinflusst, wird man wahrscheinlich nur erfahren, indem man es probiert.

Ich dachte, ich sei in einer Position, in der es zumindest nicht schaden kann, es auszutesten. Mein Rezidiv wurde jetzt zufällig entdeckt, das hätte auch erst um einiges später sein können.

Dafür müsste ich eigentlich einen neuen Thread öffen, eventuell kann mir aber hier auch jemand sagen, ob er bei Spätrezidiv zur Hochdosis mit Stammzellen oder zu 6X BEACOPP tendieren würde.
Beides sind offizielle Therapievorschläge, unser einer sollte eigentlich vermuten, dass nach 2X ABVD erstmal mit BEACOPP therapiert werden sollte.
Mein Onkologe (der nicht auf Lymphome spezialisiert ist) meinte, dass Hochdosis für ihn auf lange Sicht weniger Organschäden, heisst weniger Toxizität hätte, als 6X BEACOPP?
Da 6X BEACOPP auch ein Therapieverfahren bei Erstdiagnose ist, würde ich jedenfalls dazu tendieren.
Gibt es Meinungen/ Erfahrungen dazu?
06/2015:Diagnose M.H. 2a
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Heronimo
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Re: Selbstheilung/ Erfahrungen und Anregungen

Beitragvon Heronimo » 05.05.2019 09:47

Also ich finde die Antwort von Barbartra schon absolut vernünftig und nachvollziehbar.
Ich kann aber verstehn, das man nach links und rechts schaut und nach allen möglichen Alternativen sucht.
Käthe hatte 6 mal BEACOPP bekommen und wohl dabei extreme Nebenwirkungen. Brentuximab hatte sie ja auch schon als Alternative zur Hochdosis abgelehnt. Das Prinzip mit dem "Zucker und Aushungern" kommt immer wieder mal hoch und haben auch schon etliche Menschen versucht. Rein logisch ist da sicher was dran und weniger Zucker wird wahrscheinlich auch das Krebsrisiko verringern, aber das sie nach 4-6 Wochen allein durch die Ernährungsumstellung geheilt wurde, halte ich ebenfalls für unwahrscheinlich.
Das will nicht heissen, das es keine Wunder gibt und man es nicht versuchen sollte.
Meine Onkologin (Doktorarbeit in Psychoonkologie) kam ja glatt mit dem Schulmedizinerstatement "Krebs hat nichts mit Ernährung zu tun". Daran sieht man schon die Verblendung und Irreführung vieler Ärzte und den Ärztemarathon von Käthe kann ich aus eigener Erfahrung auch gut nachvollziehen.
Ich persönlich denke das die Krebsbehandlung der Zukunft stark auf Therapieformen basieren wird, die auf den genetischen Fingerprint des Krebses fixiert sind. Jeder Mensch und jeder Krebs ist anders.
Wenn du Ernährung als Medizin siehst, ist die Dosierung ebenfalls ein Jonglierspiel, was Käthe ja auch zugibt.
Solltest Du also die Variante von Käthe ausprobieren wollen, würde ich mir einen erfahrenen Heilpraktiker und Ernährungsberater suchen, der dich unterstützt. Zuvor hol Dir aber noch ein paar weitere Arztmeinungen nach Deinem finalen Staging ab.
Es gibt mitlerweile als Alternative zur Hochdosischemo ja auch diverse Autoimmunkonjugate.

Ich wünsch Dir maxinalen Erfolg
LG Henry
Diagnose Juni 2018: Verdacht auf anapl. SD-Karzinom mit OP (SD+Lymphom re, LK li entfernt),
nach Histo MH IIa ohne RF, nodulär sklerosierend
Juli-Sep 2018: 2 mal ABVD
Sep 2018: Kontroll MRT Hals und CT Thorax mit CR :D
Okt 2018: Bestrahlung 20 gy
Nov/Dez 2018: 3 Wochen AHB in Graal-Müritz
Fortlaufend Logopädie wegen rechtsseitiger Recurrenzparese als OP-Folge
1. NS Anfang Feb 2019 -> ok :daumen:
2. NS Anfang Mai 2019


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