Psychische Folgen nach Heilung

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nymeria
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Re: Psychische Folgen nach Heilung

Beitragvon nymeria » 06.11.2017 17:07

maikom hat geschrieben:Also, viele Fälle und dazu zähle ich mich leider auch, leiden unter Depressionen nicht weil der irgendwelche Hormone oder Stoffwechsel gestört sind, sondern wegen beruflicher Überforderung, Stress, emotionale Schicksalsschlägen etc. und solchen Dingen.

Solche Probleme lösen auch keine Antidepressiva einfach auf...


Ich denke, dass geht doch nicht darum, obs nur das eine oder nur das andere ist. Ich merke ganz klar, wenn etwas im hormonhaushalt nicht stimmt. gerade künstliche wechseljahre, die nun vorbei sind, bringen alles durcheinander. Ich habe auch schon Antidepressiva genommen, was mir SEHR geholfen hat.

Manche Leute, die aber vom Schicksal gestraft werden, können irgendwann auch einfach nicht mehr, obwohl sie grundsätzlich positiv oder hormonell im gleichgewicht wären...

Ich glaube bei mir kam alles zusammen, der Stress, die Angst vor dem Rezidiv, die Verdrängung, die fehlende Wertschätzing meiner Arbeit und dass ich auch körperlich/ hormonell eher labil bin, gerade nach dieser Krankheit.
Okt. 2016
MH Stadium 2a mit Risikofaktoren, Studiengruppe HD17

Nov 2016:
Hormontherapie, Eizellengewinnung
Spritze künstliche Wechseljahre

Dez. - März
Chemo 2x BEACOPP esk., 2x ABVD

April 2017
PET unklar
Bestrahlung obwohl im experimentellen Studienarm

Mai 2017:
Bestrahlung 30 grey
kleinere Bestrahlungsfelder als "normal", da im experimentellen Studienarm

6. Juli 2017Monatzyklus wieder eingesetzt :0010:

28. August 2017
NU PET CT , Verdacht auf Rezidiv
6. Oktober 2017
PET CT Wiederholung, alles gut :D
13. Dezember 2017
NU alles i. O.

Lala Vilhjalmur
Beiträge: 3
Registriert: 08.08.2019 22:32

Re: Psychische Folgen nach Heilung

Beitragvon Lala Vilhjalmur » 26.08.2019 23:37

Ich öffne dieses Thema nochmal, dürfte ja nach wie vor für viele aktuell sein.

Bei mir ist die Chemo jetzt ein paar Monate her und ich war die ganze Zeit während der Chemo so gut drauf und zuversichtlich, dass mich alle ständig bewundert haben, wie "stark" ich doch wäre etc. Aber was soll man auch anderes tun? Man hat ja gar keinen Einfluss, ist allem vollkommen ausgeliefert und kann nur alles über sich ergehen lassen und hoffen, dass man irgendwie am anderen Ende wieder rauskommt.

Bei mir kamen die Nervenzusammenbrüche und derlei Dinge auch erst danach. Ich denke, das ist vollkommen normal - mich hat das auch ein bisschen an einen Eigenkulturschock erinnert (wenn man lange in einer anderen Kultur gelebt hat und dann in die eigene zurückkehrt).
Für das Umfeld ist die Sache erledigt, alles geht weiter wie bisher als wäre nie etwas gewesen, aber für einen selbst ist eben nicht alles wie immer, man selbst hat das alles durchlebt und das ganze Leben wurde auf den Kopf gestellt. Dann wieder zurück in den Alltag zu fallen, den die anderen (Kollegen, Freunde etc.) nie verlassen haben, sich plötzlich in seinem alten Leben wiederzufinden, als wäre nie etwas gewesen - und dabei kommt gerade dann soviel ("unsichtbares") in einem Zusammen: Rezidivangst, Traumabewältigung, wieder allein für sich verantwortlich sein etc.

Ich hab in den allerersten Wochen und Monaten, in denen ich doch eigentlich geheilt war und alles gut hätte sein können die seltsamsten Dinge getan... hab stundenlang heulend am Flughafen gesessen, heulend auf dem Küchenfußboden gelegen, heulend auf der Toilette auf der Arbeit gesessen, heulend durch den Supermarkt gelaufen, heulend zur Arbeit geradelt... und oft waren die Anlässe "Nichtigkeiten" - wenn es denn überhaupt einen erkennbaren Anlass gab.

Bei mir war es aber tatsächlich auch so, dass ich meistens vom Verstand her wusste, dass alles halb so wild ist und ich habe richtig "gemerkt", wie das "von innen heraus kam" und so gar nicht mir und meiner Persönlichkeit entsprochen hat. Für mich war das eindeutig (auch) eine Folge des Hormondurcheinanders, das jetzt meiner Meinung nach wieder etwas nachgelassen hat, wie ich auch an anderen Symptomen gemerkt habe (Hitzewallungen viel viel seltener und viel viel schwächer). Und genauso geht es mir psychisch viel besser und ich hab keine (scheinbar) unmotivierten Nervenzusammenbrüche mehr.

Ich würde sowas in jedem Fall genau beobachten und wenn es nicht besser wird auf jeden Fall Hilfe suchen!
Welche Ursache(n) auch immer es hat - ich finde sowas in jeder Hinsicht absolut verständlich an unser aller Stelle.


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