Borreliose & MH

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Lala Vilhjalmur
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Borreliose & MH

Beitragvon Lala Vilhjalmur » 08.08.2019 22:57

Liebe Leute,

ich kannte mich bis vor einiger Zeit als einen Menschen, der "nie" krank ist, "nie" zum Arzt muss, einmal im Jahr eine Erkältung - das wars.
Im Herbst 2017 wurde bei mir dann eine durch einen Zeckenbiss in Schweden eingefangene Borreliose diagnostiziert.
Ziemlich genau ein Jahr später dann die ersten Symptome, die sich im Februar 2019 dann als Hodgkin-Lymphom herausstellten.

Mir persönlich kam das von Anfang an komisch vor, insbesondere da mir Borreliose selbst als eine noch recht mysterienumwobene Krankheit erschien. Borrelien, die im Blut nicht nachweibar sind (weswegen bei Menschen, die Borreliose ohne Wanderröte haben, die Krankheit oft gar nicht bemerkt wird), Gelenkbeschwerden Jahre später, niemand weiß was genau Borrelien genau machen, ob sie nach der Antibiotika-Therapie wirklich weg sind - so oder so ähnlich klingt das jedenfalls alles, wenn man sich ein bisschen mit der Krankheit beschäftigt.
Ich also Google befragt zum Hodgkin-Zusammenhang. Beim Non-Hodgkin-Lymphom gibt es da wohl tatsächlich einen nachgewiesenen Zusammenhang. Beim Hodgkin-Lymphom allerdings ist die Faktenlage was die Ursachen betrifft ja insgesamt etwas geringer. (Mir sagte der Arzt damals, man wisse nicht wie oder warum Hodgkin-Lymphome entstehen.) Zum konkreten Zusammenhang mit Borreliose hab ich erst gar nichts und dann schließlich aber doch das hier (aber auch wirklich nur das) gefunden:

Fall-Kontrollstudien geben eventuell auch einen Hinweis darauf, dass maligne Lymphome vielleicht die Folge einer Borrelieninfektion sein können. So wird z.B. bei Forst- und tierwirtschaftlich Beschäftigten signifikant häufiger die Diagnose Hodgkin-Lymphom gestellt, als bei anderen Personenkreisen [25]. Forst- und tierwirtschaftlich Beschäftigte kommen wiederum häufiger mit Zecken in Kontakt, somit auch mit Borrelien.
(Quelle: https://borreliose-zecken-ms.de/krebs.html)


Daher wollte ich hier mal eine (natürlich vollkommen unwissenschaftliche und unrepräsentative) Umfrage starten: Hat auch jemand die Erfahrung gemacht mit der Kombination Borreliose/Hodgkin (bzw. Zeckenbiss/Hodgkin)? (Und wäre das nicht der Wahnsinn wenn man das alles so einem kleinen Mistvieh zu verdanken hätte?)

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barbatra
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Re: Borreliose & MH

Beitragvon barbatra » 10.08.2019 09:28

Hi und willkommen.
Bei mir wurde MH im Oktober 2018 diagnostiziert, meine erste Erfahrung mit Borreliose habe ich allerdings schon vor fast 30 Jahren gemacht - damals war es der Biss einer Bremse, zum Glück mit deutlicher Wanderröte, die sowohl ich als auch mein Hausarzt zuordnen konnte. Nachdem viel in der Pampa unterwegs bin und ich Zecken schon bekomme, wenn ich den Wald auch nur aus der Weite ansehe, waren es seither immer wieder einmal verdächtige Stellen. Mein Hausarzt gibt mir da immer sofort Antibiotika - erstens sagt der Bluttest nach der ersten Infektion nicht mehr viel aus, zweitens dauert die Wartezeit auf das Ergebnis so lange, dass dann das erste Borreliose-Stadium schon vorbei ist (das heißt, im Blut ist die Borrelia schon nachweisbar. Nur die Unterscheidung ob akute oder längst vergangene Infektion ist schwierig zu treffen).
Zusätzlich wurde bei mir eine vergangene Infektion mit EBV nachgewiesen - hier gibt es ja einen dokumentierten Zusammenhang. Und es gibt auch x andere Risikofaktoren .... chronischen Stress nicht zu vergessen, der beeinflusst das Immunsystem doch deutlich.

Woher der MH also kommt - keine Ahnung. Ist mir persönlich für die Behandlung auch egal - entscheidend war für mich immer die Frage, ob und wie schnell er wieder verschwindet ... Prophylaxe bzgl. Sekundärtumoren nach der Chemo ist da ein anderes Kapitel.
Dir alles Gute, hoffentlich ist alles wieder weg!
Hodgkin Mischtyp Stadium IIIB; Diagnose September 2018
Diabetes II schon seit etlichen Jahren

6x BEACOPP eskaliert, davon:
Zyklus 1 "volle Eskalation"
Zyklus 2-4 Stufe 3
Zyklus 5 Stufe 2
Zyklus 6 Stufe 1

PET-CT Ende November 2018: mCR - große Erleichterung
PET-CT Ende Februar 2019: alles weg!
Reha März/April 2019 in St.Veit/Pongau
1. NU Mai 2019: ok
2. NU August 2019: ok - inkl. CT
Diabetes-Kontrolle August 2019: gut eingestellt

Hodgkin25
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Re: Borreliose & MH

Beitragvon Hodgkin25 » 25.08.2019 16:14

Interessantes Thema.

Tatsächlich hatte ich in meinem Leben zwei Mal eine Borrelieninfektion.

Ein mal als Kind und dann noch ein weiteres Mal einige Monate vor meiner Krebsdiagnose. Ich hatte den Biss und die Infektion nicht entdeckt und irgendwann ist mein Knie plötzlich ohne ersichtlichen Grund angeschwollen. Zum Glück hatte ich einen guten Arzt mit dem richtigen Verdacht.

Kann also tatsächlich sein, dass da ein Zusammenhang besteht. :think2:
25.6.2014 - Diagnose Morbus Hodgkin, Stadium 2BM
Einschluss in die HD18-Studie
30.06.2014: 1. Zyklus BEACOPP esk. FERTIG
21.07.2014: 2. Zyklus BEACOPP esk. FERTIG
06.08.2014: PET/CT Staging - Negativ!!!
(Köln sagt: DOCH ein bisschen positiv, kleine stelle leuchtet o_O -> 6 Zyklen).
11.08.2014: 3. Zyklus BEACOPP esk. FERTIG
01.09.2014: 4. Zyklus BEACOPP esk. FERTIG
22.09.2014: 5. Zyklus BEACOPP esk. FERTIG
15.10.2014: 6. Zyklus BEACOPP esk. (2 Tage Verspätung wegen Leukopenie) FERTIG
24.11.2014: PET/CT-6
Januar 2015 - Bestrahlung 30gy
März 2015 - NU CT: Nichts zu sehen
Sep. 2015 - 2. NU CT: Nichts zu sehen
Aug. 2019 - Immer noch am Leben :lol: :shock01: :mrgreen:

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Re: Borreliose & MH

Beitragvon yoda » 08.09.2019 17:14

Ich sage euch den Zusammenhang: Es gibt eigentlich keinen.

Der Zusammenhang besteht darin, dass es keinen Zeckenbiss mit Borrelia Burgdorferi gab, mit Hodgkin jedoch der Antikörper falsch positiv angezeigt wird. Siehe meinen Vorstellungsthread. Ich hatte massive Gelenkschmerzen und es gab den positiven Bluttest. Antibiose noch und nöcher. Geholfen hat es nicht. Klar, es war auch keine Borreliose. Aus irgend einem Grund wird bei Hodgkin Borreliose falsch positiv beim Bluttest in gewissen Fällen festgestellt. Googelt mal! Borreliose Bluttests sind sowieso eher umstritten.

Ihr beweist, dass es einige solcher Fehldiagnosen gibt. Es ist aber wohl so, dass nicht die Borreliose den Hodgkin auslöst, eher löst der Hodgkin falsche Borreliosetests aus.
Morbus Hodgkin Stadium 4B mit Milz-, Leber- und multipler Knochenbefall; Therapieschema: BEACOPP 8x eskaliert
Therapiebeginn: 08.04.09; Therapieende: 16.09.09; alle Nachsorgeuntersuchungen bis 02.04.14 ok Vorstellung/Krankheitsgeschichte

Lala Vilhjalmur
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Re: Borreliose & MH

Beitragvon Lala Vilhjalmur » 09.09.2019 16:44

Ich sage euch den Zusammenhang: Es gibt eigentlich keinen.

Der Zusammenhang besteht darin, dass es keinen Zeckenbiss mit Borrelia Burgdorferi gab, mit Hodgkin jedoch der Antikörper falsch positiv angezeigt wird. Siehe meinen Vorstellungsthread. Ich hatte massive Gelenkschmerzen und es gab den positiven Bluttest. Antibiose noch und nöcher. Geholfen hat es nicht. Klar, es war auch keine Borreliose. Aus irgend einem Grund wird bei Hodgkin Borreliose falsch positiv beim Bluttest in gewissen Fällen festgestellt. Googelt mal! Borreliose Bluttests sind sowieso eher umstritten.

Ihr beweist, dass es einige solcher Fehldiagnosen gibt. Es ist aber wohl so, dass nicht die Borreliose den Hodgkin auslöst, eher löst der Hodgkin falsche Borreliosetests aus.


Immer mal langsam! Ich hatte schon wirklich Borreliose. Ein Jahr vor dem Hodgkin und zwar ohne Bluttest aber dafür mit Wanderröte. ;)
(Und die anderen beiden hatten ja ihre Borreliose auch teilweise lange vor der Hodgkin-Erkrankung...)

Aus irgend einem Grund wird bei Hodgkin Borreliose falsch positiv beim Bluttest in gewissen Fällen festgestellt.

Und das wäre für mich doch eher ein Hinweis, dass da eventuell doch unentdeckte Borrelioseerkrankungen vorliegen könnten? Denn wie ich ja eingangs schrieb wird das oft gar nicht bemerkt (insb. wenn es keine Wanderröte gibt). Aber auch das natürlich rein spekulativ... aber finde ich doch irgendwie interessant.

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Re: Borreliose & MH

Beitragvon yoda » 10.09.2019 17:00

Ich hatte definitiv keine Borreliose und auch keinen Zeckenbiss. Natürlich kann es bei dir einen Zusammenhang geben zwischen Borreliose und späterer Hodgkin-Erkrankung. Es gibt jedoch in den vielen Studien, die ich zum Hodgkin gelesen habe, keinen einzigen Hinweis, dass Borreliose ein Auslöser sein könnte.
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Re: Borreliose & MH

Beitragvon yoda » 10.09.2019 17:01

Ach ja, Nachtrag: Meine Bluttests nach der Chemo waren alle negativ, was Borrelia Burgdorferi angeht. Aber dieser Test ist wie bereits erwähnt sowieso mit Vorsicht zu geniessen.
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Re: Borreliose & MH

Beitragvon barbatra » 11.09.2019 10:06

grundsätzlich spannende diskussion.
aber der einwand von lala stimmt natürlich: ich hatte "meine" borrelien (nicht nur einmal die typische, eindeutige wanderröte) schon jahre vor dem hodgkin . daher mache ich bei verdacht auch keinen bluttest mehr - der sagt tatsächlich unter diesen umständen wenig aus.

was die studien betrifft: die stellen genau das fest, wonach man sucht - wenn es noch keine studie zu diesem zusammenhang gibt, kann auch kein zusammenhang "offiziell" festgestellt werden. auch kein negativer. (für non-hodgkin-lymphome finden sich aufsätze, ich kann aber nicht beurteilen, wie seriös die sind).
und dass beim hodgkin / EBV -nachweis ein falsches borrelia-ergebnis kommt, sagt meiner meinung nach eher was über die fehlende genauigkeit des borrelia-nachweises aus ... ist ja bekannt.

(off topic: ist mir übrigens mit dem zusammenspiel chemo-nachwirkungen und diabetes-spätfolgen genauso gegangen - ich hab extra an köln geschrieben; antwort war "nichts bekannt" - auf gut deutsch: das haben wir in den studien noch nicht extra angeschaut. den zusammenhang gibts übrigens bezüglich polyneuropathie sehr wohl - statistisch eindeutig nachweisbar; bezüglich herzschäden eher nicht. wurde mir vom primar in der reha sehr fachlich fundiert erklärt; ebenso wie der zusammenhang zwischen metformin = häufigstes diabetes-medikament und Vit B12-aufnahme - vitamin B wiederum wichtig für die nerven ...)

aber nachdem krebs sowieso - soweit derzeit allgemein angenommen - in der entstehung multifaktoriell ist, wird denke ich die suche nach "ursachen" nicht im vordergrund stehen.
oder vielleicht sollte man besser sagen "begünstigende faktoren" - von denen gibt es ja genügend. da sind schon (wie beim EBV) schnittmengen denkbar; borrelia hat ja doch mit immunsystem zu tun. wichtig ist - wie unten gesagt - die behandlung. und da helfen antibiotika beim hodgkin wirklich gar nix.
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PET-CT Ende Februar 2019: alles weg!
Reha März/April 2019 in St.Veit/Pongau
1. NU Mai 2019: ok
2. NU August 2019: ok - inkl. CT
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Re: Borreliose & MH

Beitragvon yoda » 11.09.2019 20:01

Genau. Hodgkin ist selten und zu wenig von den Ursachen erforscht. Es kann gut mehrere Faktoren geben, die eine Erkrankung begünstigen. Das wird wohl noch Jahre dauern, bis wir schlüssigere Antworten erhalten.
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