Chemotherapie Ambulant oder Stationär

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fixpp
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Chemotherapie Ambulant oder Stationär

Beitragvon fixpp » 15.02.2020 23:55

Hallo zusammen,

kurz zu mir ich bin 22 Jahre und bei mir wurde vor 1,5 Wochen Morbus Hodgkin festgestellt.
In der Besprechung zur Chemo wurde mir Angeboten das ganze Ambulant in meiner Stadt machen zu lassen oder Stationär etwa 50 km weit weg.
Bei der Ambulanten sind nur die Sitzung der Chemo unter Aufsicht danach ist man doch "auf sich gestellt" wenn ich das richtig verstanden habe?
Wie sind eure Erfahrungen damit habt ihr die ganze Chemo komplett Ambulant machen lassen oder eine Kombi aus beiden oder nur Stationär die ersten 3 Tage?
MH Stadium 2A
Feststellung: 05.02.2020
Chemotherapie:
2xBEACOPPeskaliert
1. Zyklus 24.02.2020
2. Zyklus 16.03.2020

2xABVD

Haidhauserin
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Re: Chemotherapie Ambulant oder Stationär

Beitragvon Haidhauserin » 18.02.2020 09:12

Hallo,
bei mir wurde alles ambulant gemacht...stationär wurde nicht angeboten.
Ich war unsicher; doch es hat gut funktioniert.
Vom Gefühl wär ich lieber stationär gewesen.
Liebe Grüsse
MH 2A mit 3 Risikofaktoren ( grosser Tumor im Mediastinum, hohe BSG u mehr als 3 betroffene Lymphknotenareale)

Therapie:
Nov 2017 bis Jan 2018:
2xBEACOPP eskaliert
2xABVD

Anfang März 2018: PET-CT negativ

Mitte März bis Anfang April 2018
Bestrahlung 30 Gray mit Verzögerung nach 18 Gray aus gesundheitlichen Gründen

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Jean
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Re: Chemotherapie Ambulant oder Stationär

Beitragvon Jean » 18.02.2020 11:04

Hallo fixpp,

ich hatte das Glück, dass ich beide Varianten kombinieren konnte: zumindest anfangs habe ich die Chemos ambulant in einem großen Krankenhaus gemacht (Klinikum rechts der Isar). Ich war aber nicht nur zu den geplanten Chemotagen dort, sondern bei Bedarf auch öfter zwischendrin, z.B. wenn ein Blutwert mal wieder aus der Reihe getanzt ist und eine genauere Beobachtung erforderlich war, oder zu anderen Zwischenuntersuchungen. Der Vorteil war, dass immer jeder genau wusste, was der andere gemacht hat, welche Ergebnisse irgendeine Untersuchung gebracht hat, usw. Eventuelle Komplikationen wurden sofort behandelt, ggfs in einer anderen Abteilung (bei einer Zahnwurzelentzündung wurde ich sofort rüber zur Oralchirurgie geschickt).

Später, als ich andere Chemos bekommen habe, wurden dann stationäre Aufenthalte von 3-5 Tagen daraus. Bei der Hochdosis mit Stammzellentransplantation war der Aufenthalt natürlich noch einmal erheblich länger - aber das dürfte nicht normalerweise nicht betreffen.

Die Entscheidung zwischen ambulant/stationär hängt einerseits von deinen persönlichen Umständen (Vorliebe, Zeit, Entfernungen, ...) ab, andererseits auch vom Verlauf der Therapie und natürlich von der Qualität der Versorgungsmöglichkeiten vor Ort. U.U. gibt es auch eine Übernahme der Taxikosten durch die Krankenkasse, wenn der Arzt die Notwendigkeit sieht und bescheinigt.

Alles Gute,
Jean
mein Blog: https://isv20.wordpress.com

2001 diffus großzelliges Non-Hodgkin-Lymphom: 3 CHOP + Bestrahlungen
2003 Marginalzonenlymphom: Wait and Watch
2012 Morbus Hodgkin, nodulär-sklerosierender Typ, Stadium IIB:
ABVD (4 Zyklen, d.h. 8 mal)
PET-CT: refraktäre LK
2 DHAP, 2 IGEV, HD-BEAM mit autologer SZT
komplette Remission Dez. 2012
Reha in Oberstaufen Jan. 2013
2013 Rezidiv des MH von 2012
04/13: Bestrahlungen 15*2Gy
ab 05/13: 4 Brentuximab
ab 07/13: HD-FBM + allogene SZT
10/13-01/14: EBV, Lungenentzündung, Reha
02/14: komplette Remission
GdB 100, von 11.2012 bis 07.2015 Erwerbsminderungsrente
seitdem: es geht mir gut!
2018: Ende der regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen

Mondfrau75
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Re: Chemotherapie Ambulant oder Stationär

Beitragvon Mondfrau75 » 18.02.2020 11:20

Hallo,

ich bekam BEACOPP esk., ich weiß nicht, welche Chemo du bekommst.

Meinen ersten Zyklus sollte ich stationär machen, um zu sehen, wie ich das Ganze vertrage. Da ging es mir aber sehr gut, sodass ich sozusagen an Tag 4 des Chemozykluses den Rausschmiss bekam. Die Klinik besorgte mir auch gleich einen Termin in der onkologischen Praxis meiner Heimatstadt.

Da ging dann alles ganz fix. Am Tag 4 vormittags aus der Klinik raus und nachmittags hatte ich schon den Termin beim Onkologen hier zu Hause. Dort wurde alles weitere besprochen und ich bekam auch Anweisungen wie ich mich zu Hause zu verhalten habe und eine zusätzliche eine Notfallnr., wo immer einer der beiden Ärzte zu erreichen gewesen wäre, wenn was gewesen wäre.

An den Tagen mit niedrigen Blutwerten wurde das Blut etwas engmaschiger kontrolliert, ich hatte zusätzlich sozusagen Hausarrest, sollte in keine Menschenmengen, keine Einkäufe und alles meiden was irgendwie rum kränkelt. Auch in der Praxis wurde ich in separaten Räumen behandelt.

Meiner Meinung nach ist das BEACOPP-Schema zwar nicht einfach, aber zu Hause mit Sicherheit angenehmer zu schaffen, als stationär. Ich weiß nicht, ob du alleine lebst, oder ob du irgendwie Unterstützung hast. Ich hatte 2 kleine Kinder zu versorgen. Die Große war damals 8, die Kleine kam grad in die Schule, bzw. ging das Ganze während ihrer letzten Kindergartenmonate los. Ich habe sie nach wie vor morgens zu Fuß in die KiTa geschafft und nachmittags wieder abgeholt, habe nach wie vor mich um der Großen ihren ganzen Schulkrempel gekümmert. Habe Essen gekocht, bin Einkaufen gegangen. Es war anstrengend, ging langsamer, aber es ging. Wenn die Kinder in der Schule, Kindergarten waren war ich entweder zur Chemo beim Arzt, oder habe ganz viel geschlafen. Mein Mann war immer da, war auch eine große Hilfe. An Tag 8 der Chemo war ich komplett out of order. Da musste er ran. Und an den Tagen wo die Blutwerte schlecht waren, aber das war meist nur von Freitag bis Dienstag, alle 3 Wochen. Morgens hatte ich immer Kreislaufprobleme, da ging dann alles etwas langsamer, aber es ging. An sich hab ich zu Hause ein ganz normales Leben geführt. Stationär hätte mich und meine Familie mit Sicherheit mehr aus der Bahn geworfen.

Und ich hatte das große Glück, mir während der ganzen Zeit keine einzige Infektion zu holen und ich brauchte auch keinerlei Konserven, bin da immer haarscharf dran vorbei geschrammt. Manchmal schlief ich im Gästezimmer, weil die Kinder oder Mann Infektanzeichen hatten.

Und wenn in der Zeit irgendwas gewesen wäre, hätte ich immer diese Notfallnummer anrufen können. Die Ärzte waren da immer erreichbar und hätten dann mit dem örtlichen Krankenhaus zusammen gearbeitet.


Ich wünsche Dir alles Gute

Cati
Juni 2015 Morbus Hodgkin III-IV b (leichter Nachtschweiß/Gewichtsverlust), unklarer Milzbefall,
1xBEACOPP esk.
1xBEACOPP Stufe 3
4xBEACOPP Basis
6. Okt. 15 letzte Chemo
16. Okt. 15 PET-CT -->leichtes Leuchten des Skeletts und der Milz, laut Nuklearmediziner PET zu früh gemacht das Leuchten kommt vom Lonquex - Komplett-Remission/keine Bestrahlung notwendig
Anfang Nov. 2015 Zweitmeinung, Schmerzen in der Milzgegend, ebenfalls -->alles gut, Ultrasschall --> alles gut
Jan.16 - REHA Bad Elster
NU 1 bis 12 alle gut
nächste NU --> März 2020

Rachy
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Re: Chemotherapie Ambulant oder Stationär

Beitragvon Rachy » 18.02.2020 13:58

Ich habe das ganze auch komplett ambulant gemacht und würde das auf jeden Fall wieder so machen. Auch, wenn ich ziemlich mit den Nebenwirkungen zu kämpfen hatte und viele Tage im Bett verbracht habe, ohne etwas tun zu können, war das auf jeden Fall angenehmer.
Zwar haben meine 7 Jahre alten Zwillinge oft "vergessen", leise zu sein und es war schon anstrengend. Trotzdem angenehmer, als im Krankenhaus zu liegen.
Ich hatte aber auch das Glück, dass die onkologische Praxis, in der ich behandelt wurde, an ein Krankenhaus angeschlossen ist. Ich bin dann auch zweimal wegen Fieber und sehr schlechten Blutwerten in die Notaufnahme gefahren. Einmal musste ich dann auch eine Woche lang isoliert da bleiben. Meine Leukos waren unter 0,1. Blutplättchen bei 3000. Rote Blutkörperchen bei 7,0. Also alles nicht so dolle. Da habe ich dann auch Blutkonserven bekommen.
Ich war aber auch sonst mit ähnlich schlechten Werten zuhause und habe dann ambulant in der Praxis Blutkonserven bekommen (insgesamt sechs mal). Ich habe mich da auch zuhause sicher gefühlt, weil ich Notfallnummern der Ärzte hatte und auch die Ansage, bei Temperatur ab 38 Grad sofort in die Notaufnahme zu fahren.
So hat das ganz gut geklappt und ich wusste immer, an wen ich mich bei Fragen wenden kann.
Und gerade da ich den Vergleich mit der Krankenhaus-Woche habe, plädiere ich ganz klar für die ambulante Behandlung. Was mich am Krankenhaus am meisten gestört hat, war, dass da IMMER jemand ins Zimmer platzt, von früh morgens bis spät in der Nacht. Schlafen war da echt schwierig. Dazu kam noch, dass die sich im Krankenhaus absolut nicht mit dem Port auskannten...die falsche Nadel genommen, daneben gestochen, vergessen, durchzuspülen... :roll:
In einer onkologischen Praxis machen die sowas den ganzen Tag lang, da ging das komplett problemlos.
Ich wünsche dir alles Gute für deine Therapie und eine gute Entscheidung!
Liebe Grüße,
Rachy
MH Stadium 2A mit RF BSG und großer Mediastinaltumor

Oktober 2019 bis Januar 2020:
2 mal Beacopp eskaliert
2 mal ABVD
29. Januar 2020: PET/CT: Nichts leuchtet mehr! :4587: :10: :carrot:

Februar/März 2020:
Bestrahlung 30 Gy

ClaudiaE.
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Registriert: 12.09.2017 14:19

Re: Chemotherapie Ambulant oder Stationär

Beitragvon ClaudiaE. » 18.02.2020 22:16

Guten Abend,
meine Söhne haben die Therapie ambulant durchgeführt. Wichtig ist ,dass du nach der Chemotherapie nicht alleine zuhause bist.
Also gutes Essen und Verwöhnprogramm ! Es muss jemand da sein der sich um dich kümmert.
Ich wünsche dir alles erdenklich Gute für die Therapie. Alles wird wieder gut !
Liebe Grüße
Claudia
Sohn 19 Jahre

Klassisches Hodgkin Lymphom (NS) 3AS
Studienteilnahme HD 21

März - August 2017 5x Beacopp eskaliert
November 2017 Nachsorge oB.
Februar 2018 Nachsorge oB.
August 2018 Nachsorge oB.
Februar 2019 Nachsorge oB.
August 2019 Nachsorge oB.
Sohn 22Jahre

Klassisches Hodgkin Lymphom (NS) 2A mit Risikofaktoren ( hohe BSG und mediastinaler Bulk)

August- November 2017 2x Beacopp eskaliert 2x ABVD
Dezember 2017 15x Bestrahlung Hals und Mediastinum
April 2018 Nachsorge o.B
Juli 2018 Nachsorge o.B
November 2018 Nachsorge o.B
April 2019 Nachsorge o.B
Oktober 2019 Nachsorge o.B.

fixpp
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Re: Chemotherapie Ambulant oder Stationär

Beitragvon fixpp » 21.02.2020 11:35

Hallo,

danke für die zahlreichen Antworten. Ich habe mich nach Gesprächen mit verschiedenen Leuten jetzt für die Ambulante Behandlung entschieden.
Ich selbst wohne noch bei meinen Eltern, die mir die volle Unterstützung geben.
Ich werde auf jeden Fall meine Erfahrung mit euch teilen und Berichten wie es mir in den nächsten Tagen so ergeht.
MH Stadium 2A
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Chemotherapie:
2xBEACOPPeskaliert
1. Zyklus 24.02.2020
2. Zyklus 16.03.2020

2xABVD

Rachy
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Registriert: 31.12.2019 15:32

Re: Chemotherapie Ambulant oder Stationär

Beitragvon Rachy » 21.02.2020 12:33

Wenn du noch bei deinen Eltern wohnst, war es bestimmt die richtige Entscheidung!
Ich wünsche dir alles Gute für den Therapiestart!

Du bekommst das hin!!!
MH Stadium 2A mit RF BSG und großer Mediastinaltumor

Oktober 2019 bis Januar 2020:
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29. Januar 2020: PET/CT: Nichts leuchtet mehr! :4587: :10: :carrot:

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Bestrahlung 30 Gy

Schnabel
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Registriert: 22.02.2020 13:38

Re: Chemotherapie Ambulant oder Stationär

Beitragvon Schnabel » 22.02.2020 15:57

Hallo
Bei mir (w, 37) hiess es es werde ambulant gemacht. So mache ich das auch und bin sehr zufrieden. Ganz am Anfang hatte ich viele Ängste, da ich alleine lebe. Aber es ging gut. Auch kann ich im Notfall einen Nachbarn und meine Eltern kontaktieren, das hilft mir ungemein. So kann man auch einigermassen ein normales Leben weiter leben, so gut es geht. Man kann sich auch ablenken und denkt nincht die ganze Zeit an die Krankheit. habe 2 Zyklen BEACOPPeskaliert hinter mir bis jetzt. zum Glück habe ich an den meisten Tagen viel Energie und bin fit. Bin sehr dankbar!

Ich würde es ambulant machen, wenn möglich. :-)

Grüessli Schnabel


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